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Als ich meinen Unmut meinem Mann gegenüber äußere, stoße ich auf Unverständnis. In seinem Miraarausch fühlt er sich angegriffen und meint, ich wol e seinem Freund, der gerade mit dem Leben davongekommen ist, nicht helfen. Dabei verlange ich nur etwas Ordnung. Humpelnd verläßt der Krieger mit meinem Mann die Hütte, und sie gehen zu Mama. Ich höre eine heftige Diskussion und fühle mich ausgestoßen und einsam. Um meine Fassung nicht zu verlieren, krame ich meinen Kassettenrecorder hervor und höre deutsche Musik. Nach einiger Zeit streckt Lketinga seinen Kopf in die Hütte und schaut mich mißmutig an. „Corinne, what's the problem? Why you hear this music? What's the meaning?“

O Gott, wie soll ich ihm erklären, daß ich mich mißverstanden und ausgenützt fühle und Trost in der Musik suche? Er kann das nicht verstehen.

Ich nehme seine Hand und bitte ihn, sich neben mich zu setzen. Wir hören gemeinsam Musik und starren ins Feuer. Dabei spüre ich, wie langsam eine erotische Spannung entsteht, und kann sie genießen. Im Feuerschein sieht Lketinga phantastisch aus. Ich lege meine Hand auf seinen dunklen nackten Oberschenkel und fühle auch seine Erregung. Er schaut mich wild an, und plötzlich liegen wir uns in den Armen. Wir küssen uns. Zum ersten Mal habe ich den Eindruck, daß auch er Gefal en daran findet. Obwohl ich es immer wieder probiert habe, hatte Lketinga bis jetzt nie richtig Spaß daran, und deshalb scheiterten meine Versuche meistens sehr rasch. Doch nun küßt er mich und wird immer ungestümer. Endlich schlafen wir wieder miteinander. Es ist wunderschön. Als sich seine Anspannung löst, streicht er mir liebevol über meinen kleinen Bauch und fragt: „Corinne, you are sure, you have now a baby?“

Glücklich lache ich: „Yes!“ „Corinne, if you have a baby, why you want love? Now it's okay, I have given you a baby, now I wait for it.“

Natürlich bin ich etwas ernüchtert über diese Einstellung, doch nehme ich sie nicht mehr ganz so ernst. Wir schlafen zufrieden ein.

Der nächste Tag ist ein Sonntag. Unser Shop ist geschlossen, und wir beschließen, eine Messe von Giuliano anzuhören. Die kleine Kirche ist brechend vol.

Es sind fast nur Frauen und Kinder da. Einige Männer, wie der Veterinär mit Familie, der Arzt und der Buschlehrer sitzen auf einer Seite. Giuliano liest die Messe in Suaheli, und der Lehrer übersetzt in Samburu. Zwischendurch singen und trommeln die Frauen und Kinder. Im großen und ganzen läuft al es fröhlich ab. Lketinga ist der einzige Krieger, und dieser Kirchenbesuch ist sein erster und letzter zugleich.

Den Nachmittag verbringen wir gemeinsam am River. Ich wasche Kleider, und er putzt unser Auto. Endlich haben wir genügend Zeit für das Ritual des gegenseitigen Waschens. Es ist wie früher, und mit Wehmut denke ich an die Zeit zurück. Natürlich gefällt mir der Shop, unser Essen ist abwechslungsreicher geworden. Doch wir haben nicht mehr soviel Zeit für uns. Alles ist hektischer geworden. Trotzdem freue ich mich nach jedem Sonntag auf den Shop. Ich habe mich mit den Town-Frauen und einem Teil ihrer Männer angefreundet, die etwas Englisch sprechen. Langsam weiß ich, wer zu wem gehört.

Anna ist mir inzwischen ans Herz gewachsen. Seit ein paar Tagen hockt ihr Mann im Shop, da er Urlaub hat. Mich stört es nicht, im Gegensatz zu Lketinga. Bei jedem Soda, das Annas Mann trinkt, fragt er auf peinliche Weise nach, ob Anna dies verrechnet.

Es ist Zeit, erneut Zucker zu organisieren. Die Säcke sind seit ein paar Tagen leer, und deshalb kommen weniger Leute. Auch stehen die Schulferien an. So kann ich in Maralal Zucker besorgen und James nach Hause holen. Lketinga bleibt im Shop und wil Anna helfen, denn vom Maismehl haben wir noch etwa zwanzig Säcke, die wir verkaufen müssen, damit das Geld für eine Lastwagenfahrt reicht.

Ich nehme den bewährten Helfer mit. Er arbeitet gut und kann mir die schweren Säcke in den Landrover wuchten. Wie üblich wollen zwanzig andere Leute mit. Weil es jedesmal Ärger gibt, beschließe ich, etwas zu verlangen, damit ich die Benzinkosten nicht allein tragen muß. Sicher kommen dann nur diejenigen mit, die wirklich einen Grund haben. Die Menschentraube löst sich bei meiner Mitteilung rasch auf, übrig bleiben, fünf Personen, die den geforderten Betrag bezahlen.

Deshalb ist der Landrover nicht überfüllt. Wir fahren früh los, weil ich abends zurück sein will. Mit von der Partie ist der Wildhüter, der diesmal ebenfal s zahlen muß.

In Maralal steigen alle aus, und ich fahre zur Schule hinunter. Der Headmaster erklärt mir, die Schüler hätten erst ab 16 Uhr frei. Ich vereinbare mit ihm, drei bis vier Schüler nach Barsaloi mitzunehmen. Mein Helfer und ich besorgen in der Zwischenzeit drei Säcke Zucker, etwas Früchte und Gemüse. Mehr kann ich nicht laden, wenn ich die Burschen abholen will. Es bleiben mir zwei Stunden, und ich nutze die Zeit, um Sophia zu besuchen.

Sophia ist überglücklich, mich zu sehen. Im Gegensatz zu mir hat sie einige Kilo zugenommen, und ihr geht es gut. Sie kocht mir Spaghetti, ein Festessen nach so langer Zeit ohne Teigwaren. Kein Wunder, daß sie so rapide zunimmt! Ihr Rasta-Freund taucht kurz auf und verschwindet mit ein paar Freunden. Sophia beschwert sich, daß er sie seit der Schwangerschaft fast nicht mehr anschaut. Arbeiten will er auch nicht und verbraucht statt dessen ihr Geld für Bier und Freunde. Trotz der Bequemlichkeiten, die sie sich zugelegt hat, beneide ich sie nicht. Im Gegenteil: An Sophias Beispiel wird mir bewußt, wieviel Lketinga leistet. Ich verabschiede mich mit dem Versprechen, jedesmal wenn ich in Maralal bin, kurz vorbeizukommen. Meinen Helfer und den Wildhüter hole ich beim vereinbarten Treffpunkt ab. Wir fahren zur Schule, und drei Burschen stehen bereit. James freut sich sehr, daß er abgeholt wird. Wir brechen sofort auf, weil wir vor der Dunkelheit zu Hause sein wollen.

Ende des 2. Bandes

Es folgt Band 3

Dschungelpfade

Der Wagen schlängelt sich die rote, staubige Straße hoch. Kurz vor der S-Kurve müssen der Wildhüter und ich lachen, denn wir denken beide an unser Elefantenerlebnis. Hinten im Wagen quatschen und lachen die Burschen. Kurz vor dem steilen Schräghang will ich den Vierrad einschalten. Ich bremse und bremse noch mal, doch der Wagen fährt einfach weiter auf den Todeshang zu. Entsetzt schreie ich: „No brakes!“ Gleichzeitig sehe ich, rechts geht nichts, da unmittelbar neben dem Weg die Schlucht beginnt, die von den Bäumen verdeckt ist. Also reiße ich, ohne weiter zu überlegen, das Steuer nach links, während der Wildhüter an der Tür manipuliert.

Wie durch ein Wunder kracht der Wagen über den Beginn der immer höher werdenden Felsmauer. Wo ich auffahre, beträgt die Höhe etwa 30 cm. Wären wir nur ein kleines Stück weiter gewesen, wäre mir nichts anderes übrig geblieben, als frontal auf die Felswand zu fahren. Ich bete, der Wagen möge in den Büschen hängen bleiben, die Plattform beträgt höchstens fünf bis sechs Meter, dann geht es steil in den Dschungel hinunter.

Die Burschen sind in heller Aufregung, und der Wildhüter ist grau im Gesicht.

Endlich bleibt der Wagen hängen, etwa einen Meter vor dem Ende des Plateaus. Ich zittere so sehr am ganzen Körper, daß ich unfähig bin auszusteigen. Die Schüler klettern aus den Fenstern, da wir vorne bewegungslos hocken und dadurch die hintere Wagentüre verschlossen bleibt. Mit weichen Knien steige ich nun doch aus, um den Schaden zu begutachten. In diesem Moment beginnt der Wagen, sich langsam zu bewegen. Geistesgegenwärtig schnappe ich den erstbesten Stein und lege ihn unter ein Rad. Die Burschen finden heraus, daß das Bremskabel herausgerissen ist. Ratlos und geschockt stehen wir um das Fahrzeug, keine drei Meter vom Todeshang entfernt.

Wir können unmöglich hier im Busch bleiben, meint der Wildhüter, obwohl er diesmal bewaffnet ist. Es wird außerdem verdammt kalt, sobald es dunkel ist. Nach Barsaloi ohne Bremse weiterzufahren, ist genauso unmöglich. So bleibt nur der Rückweg nach Maralal, den ich, schlimmstenfalls im Vierrad, auch ohne Bremse schaffe. Zuerst muß der lange Wagen auf diesem schmalen Plateau gewendet werden. Wir suchen große Steine, und ich fahre vorsichtig an. Mehr als einen halben Meter nach vorne kann ich nicht, deshalb müssen mich die Burschen mit Steinen unter jedem Rad stoppen. Dann folgt dasselbe Manöver rückwärts, wobei ich nahezu nichts sehen kann. Mir läuft der Schweiß über das Gesicht, und ich bete zu Gott, daß er uns helfen möge. Nach diesem Erlebnis, bei dem wir knapp dem Tod entronnen sind, bin ich absolut überzeugt, daß es ihn gibt. Nach mehr als einer Stunde ist das zweite Wunder vollbracht, der Wagen ist gewendet.

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