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Eine Ewigkeit verharren wir so, und ich merke, wie auch ihn die Erregung überkommt. Es trennt uns nur mein leichtes Sommerkleid, das ich jetzt ausziehe. Er dringt in mich ein, und diesmal spüre ich, wenn auch nur für kurze Zeit, ein ganz neues Glücksgefühl, ohne zum Höhepunkt zu kommen. Ich fühle mich eins mit diesem Menschen und weiß in dieser Nacht, daß ich trotz al er Hindernisse bereits eine Gefangene seiner Welt bin.

Nachts spüre ich ein Ziehen in der Bauchgegend und packe meine Taschenlampe, die ich glücklicherweise am Kopfende deponiert habe. Beim Öffnen der quietschenden Türe hören mich vermutlich al e, denn außer den nimmermüden Grillen ist es still. Ich begebe mich auf den Weg zur „Hühnertoilette“, die letzten Stufen springe ich förmlich und erreiche den Ort gerade noch rechtzeitig. Da sich alles in der Hocke abspielt, zittern meine Knie. Mit letzter Kraft komme ich wieder hoch, fasse die Lampe und klettere zurück über die Hühnerleiter zum Häuschen.

Lketinga schläft friedlich. Ich quetsche mich zwischen ihn und die Wand auf die Pritsche.

Als ich erwache, ist es bereits acht Uhr, und die Sonne brennt kräftig, so daß es im Häuschen stickig heiß ist. Nach dem üblichen Tee und dem Waschritual will ich meine Haare waschen. Aber wie, ohne fließendes Wasser? Wir bekommen unser Wasser in Zwanzig-Liter-Kanistern, die mir Priscilla täglich am nahen Ziehbrunnen auffüllt. Ich versuche, meine Absicht Lketinga mit der Händesprache klarzumachen.

Er ist sofort hilfsbereit: „No problem, I help you!“

Lketinga leert mit einer Konservendose Wasser über meinen Kopf. Dann shampooniert er mir unter großem Gelächter sogar die Haare. Bei soviel Schaum wundert er sich, daß danach noch al e Haare auf dem Kopf sind. Danach wol en wir meinen Bruder und Jelly im Hotel besuchen. Als wir ankommen, sitzen beide genüßlich bei einem üppigen Frühstück. Beim Anblick dieser herrlichen Speisen wird mir bewußt, wie kärglich mein derzeitiges Frühstück ist. Diesmal erzähle ich, und Lketinga sitzt lauschend daneben. Nur als ich meinen nächtlichen Besuch schildere und die zwei sich entgeistert anschauen, fragt er: „What's the problem?“ „No problem“,

entgegne ich lachend, „everything is okay!“

Wir laden die beiden zum Mittagessen bei Priscil a ein. Ich möchte Spaghetti kochen. Sie stimmen zu, und Eric meint, sie würden den Weg schon finden. Uns bleiben zwei Stunden, um Spaghetti und Sauce sowie Zwiebeln und Gewürze aufzutreiben. Lketinga weiß gar nicht, von welchem Essen wir sprechen, meint aber lachend: „Yes, yes, it's okay.“

Wir besteigen ein Matatu und fahren zum nahegelegenen Supermarket, wo wir tatsächlich das Gewünschte finden. Als wir endlich im Dorf ankommen, bleibt mir nur wenig Zeit, um das „Festessen“ zu kochen. Am Boden kauernd bereite ich alles vor.

Priscil a und Lketinga schauen beim Spaghettikochen belustigt zu und meinen: „This is no food!“

Mein Massai-Freund starrt in das kochende Wasser und verfolgt gespannt, wie sich die starren Spaghettistäbchen langsam biegen. Für ihn ist es ein Rätsel, und er bezweifelt, daß das ein Essen wird. Während die Teigwaren garen, öffne ich mit einem Messer die Dose mit der Tomatensauce. Als ich den Inhalt in eine verbeulte Pfanne leere, fragt Lketinga entsetzt: „Is this blood?“

Jetzt bin ich diejenige, die lauthals lachen muß. „Blood? O no, Tomatensauce!“

antworte ich kichernd.

Inzwischen kommen Jelly und Eric schwitzend bei uns an. „Was, du kochst auf dem Boden?“ fragt Jel y überrascht. „Ja, meinst du, wir haben hier eine Küche?“

antworte ich.

Als wir die Spaghetti einzeln mit Gabeln herausfischen, geraten Priscil a und Lketinga völlig aus dem Häuschen. Priscilla holt ihre Nachbarin. Auch diese schaut auf die weißen Spaghetti, dann in den Topf mit der roten Sauce, fragt, auf die Teigwaren zeigend, „Worms?“ und verzieht das Gesicht zur Grimasse. Jetzt müssen wir lachen. Die drei glauben, wir äßen Würmer mit Blut, und rühren das Gericht nicht an. Irgendwie kann ich sie fast verstehen, denn je länger ich in die Schüssel schaue, desto mehr vergeht auch mir bei der Vorstel ung von Blut und Würmern der Appetit.

Beim Abwaschen stoße ich auf das nächste Problem. Es gibt weder Abwaschmittel noch eine Bürste. Priscilla löst diese Aufgabe, indem sie einfach „Omo“ benutzt und mit den Fingernägeln kratzt. Mein Bruder stel t nüchtern fest: „Schwesterherz, für immer sehe ich dich hier noch nicht. Auf jeden Fal benötigst du für deine schönen langen Nägel sicher keine Feile mehr.“ Irgendwie hat er recht. Den beiden bleiben noch zwei Tage Ferien, dann werde ich mit Lketinga al ein sein. An ihrem letzten Abend findet im Hotel wieder ein Massai-Tanz statt. Jelly und Eric haben das im Gegensatz zu mir noch nie erlebt. Lketinga macht auch mit, und wir drei warten gespannt auf den Beginn. Die Massai versammeln sich vor dem Hotel und deponieren dort Speere, Schmuck, Perlengürtel und Stoffe für den späteren Verkauf.

Es sind etwa fünfundzwanzig Krieger, die sich singend einfinden. Ich fühle mich verbunden mit diesen Menschen und bin so stolz auf dieses Volk, als wären alle meine Brüder. Es ist unglaublich, wie elegant sie sich bewegen und welche Aura sie verströmen. Mir schießen Tränen in die Augen bei diesem mir unbekannten Gefühl von Heimat.

Mir scheint, ich habe meine Familie, mein Volk gefunden. Beunruhigt über so viele wild bemalte und geschmückte Massai, raunt Jelly mir zu: „Corinne, bist du sicher, daß dies deine Zukunft ist?“ „Ja“, ist alles, was es für mich zu sagen gibt.

Gegen Mitternacht ist die Vorstellung beendet, und die Massai ziehen ab. Lketinga kommt und zeigt stolz das beim Schmuckverkauf verdiente Geld. Uns scheint es wenig zu sein, für ihn bedeutet es das Überleben für die nächsten Tage. Wir verabschieden uns herzlich, da wir Eric und Jelly nicht mehr sehen werden, denn am frühen Morgen verlassen sie das Hotel. Mein Bruder muß Lketinga versprechen wiederzukommen: „You are my friends now!“

Jel y drückt mich fest und meint weinend, ich sol e auf mich aufpassen, mir alles gut überlegen und in zehn Tagen in der Schweiz erscheinen. Anscheinend traut sie mir nicht.

Wir machen uns auf den Heimweg. Abertausende von Sternen stehen am Himmel, aber es scheint kein Mond. Doch Lketinga kennt den Weg durch den Busch trotz der Dunkelheit bestens. Ich muß mich an seinem Arm festhalten, damit ich ihn nicht aus den Augen verliere. Beim Village erwartet uns in der Finsternis ein kläffender Hund.

Lketinga stößt kurze scharfe Laute aus, und der Köter verzieht sich. Im Häuschen taste ich nach der Taschenlampe. Als ich sie endlich gefunden habe, suche ich Streichhölzer, um unsere Petroleumlampe anzuzünden. Einen kurzen Moment denke ich, wie einfach doch in der Schweiz alles ist. Da gibt es Straßenlampen, elektrisches Licht, und alles funktioniert scheinbar wie von selbst. Ich bin erschöpft und möchte schlafen. Lketinga hingegen kommt von der Arbeit, fühlt sich hungrig und sagt, ich solle ihm noch einen Tee zubereiten. Das hatte ich bis jetzt immer Priscilla überlassen! Im Halbdunkel muß ich zuerst Sprit nachfül en. Als ich das Teepulver anschaue, frage ich: „How much?“

Lketinga lacht und schüttet ein Drittel des Päckchens in das kochende Wasser.

Später kommt Zucker dazu. Aber nicht etwa zwei, drei Löffel, sondern eine volle Tasse. Ich staune und denke, daß man diesen Tee bestimmt nicht mehr trinken kann. Und doch schmeckt er fast so gut wie der von Priscilla. Nun verstehe ich auch, daß Tee durchaus eine Mahlzeit ersetzen kann.

Den nächsten Tag verbringe ich mit Priscilla. Wir wol en Wäsche waschen, und Lketinga beschließt, zur Nordküste zu fahren, um in Erfahrung zu bringen, in welchen Hotels Tanzaufführungen stattfinden. Er fragt nicht, ob ich mitkommen möchte.

Ich gehe mit Priscilla zum Ziehbrunnen und versuche, wie sie einen Zwanzig-Liter-Kanister mit Wasser zum Häuschen zu bringen, was sich als gar nicht so einfach herausstel t. Zum Auffüllen läßt man einen Eimer, der drei Liter faßt, etwa fünf Meter hinunter und zieht ihn nach oben. Dann schöpft man mit einer Blechdose das Wasser heraus und gießt es in die schmale Öffnung des Kanisters, bis dieser voll ist.

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