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Цвет жизни
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София слышит зеркала
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Li beobachtete Vanderbilt. Er wirkte weniger zynisch und überheblich als sonst, und soeben wurde ihr bewusst, warum.

»Ich weiß, wo das ist«, sagte sie. »Khalij as-Suways ist der Ausläufer des Roten Meers, der in den Suezkanal mündet. Das heißt, die arabische Welt ist an zwei wichtigen Verkehrsknotenpunkten getroffen worden.«

»Bingo, Baby. Es gab Probleme mit der Navigation. Was Neues übrigens. Die Rekonstruktion ist schwierig, aber in der Straße von Hormuz sieht es so aus, als seien sieben Schiffe ineinander gerasselt, weil mindestens zwei von ihnen nicht mehr wussten, wo sie hinfahren. Logge und Echolot lieferten keine Daten mehr.«

An Bord eines jeden Schiffes gab es vier lebenswichtige Systeme: Echolot, Logge, Radar und Windmesser. Während Radar und Windmesser oberhalb der Wasserlinie arbeiteten, saß das Austrittsfenster des Echolots am Kiel, ebenso wie die Logge, ein Staurohr mit integriertem Fühler, der das hereinströmende Fahrtwasser maß. Die Logge war so etwas wie das Tachometer eines Schiffs. Sie informierte die Radarsysteme an Bord über Kurs und Geschwindigkeit des Schiffes, und der Radar errechnete auf dieser Basis die Kollisionsgefahr mit Schiffen in der Nähe und bot Ausweichkurse an. Im Allgemeinen folgte man blind den Instrumenten. Blind, weil sich 70 Prozent der Seefahrt bei Nacht, Nebel oder hoher See abspielten, wo ein Blick aus dem Fenster nichts brachte.

»In einem der Fälle haben offenbar marine Organismen die Logge verstopft«, sagte Vanderbilt. »Sie zeigte keine Fahrt mehr an, was den Radar veranlasste, keine Kollisionsgefahr zu melden, obwohl drum herum alles dicht befahren war. Im anderen Fall spielte das Echolot verrückt und meldete abnehmende Wassertiefe. Sie mussten davon ausgehen aufzulaufen, obwohl sie tatsächlich in tiefem Gewässer fuhren, und vollführten eine vollkommen idiotische Kurskorrektur. Beide knallten in andere Schiffe, und weil es so schön dunkel war, fuhren gleich noch ein paar weitere rein ins Vergnügen. Anderswo auf der Welt kommt es zu ähnlichen Scherzen. Jemand will beobachtet haben, dass Wale dicht unter den Schiffen geschwommen sind, über einen langen Zeitraum.«

»Natürlich«, sinnierte Li. »Wenn über längere Zeit etwas Großes dicht unter dem Echolot-Austritt bleibt, könnte man es leicht mit festem Untergrund verwechseln.«

»Außerdem häufen sich Fälle von Verkrustungen im Ruder und in Seitenstrahlern. Seekästen werden verstopft, immer gezielter. Vor Indien ist aktuell ein Erzfrachter abgesoffen, nachdem wochenlanger Bewuchs offenbar zu außergewöhnlich rascher Korrosion geführt hat. Bei ruhiger See kollabierte der vordere Laderaum. Sank innerhalb von Minuten. Und so weiter und so fort. Es reißt nicht ab. Alles wird ständig schlimmer, und die Seuche kommt obendrauf.«

Li legte die Fingerspitzen aufeinander und brütete vor sich hin.

Einfach lächerlich. Aber bei genauem Hinsehen waren Schiffe nun mal lächerlich. Peak hatte es auf den Punkt gebracht. Archaische Kästen, die mit Hightech navigierten und Kühlwasser durch ein Loch anschlürften. Anderswo drangen Krabben in hochmoderne Großstädte ein, ließen sich zu Matsch fahren und verteilten Tonnen hochgiftiger Algen in der Kanalisation. Als Folge mussten sie die Stadt sperren und jetzt wahrscheinlich eine weitere, und der Präsident der Vereinigten Staaten floh ins Landesinnere.

»Wir brauchen diese verdammten Würmer«, sagte Li. »Und wir müssen was gegen diese Algen unternehmen.«

»Wie Recht Sie haben«, erwiderte Vanderbilt beflissen.

Seine Männer saßen mit reglosen Gesichtern zu seinen Seiten und starrten Li an. Eigentlich wäre es an Vanderbilt gewesen, ihr Vorschläge zu unterbreiten, aber Vanderbilt mochte Li ebenso wenig wie sie ihn.

Er würde sie ins Messer laufen lassen. Aber sie brauchte Vanderbilt nicht, um Entscheidungen zu treffen.

»Erstens«, sagte sie. »Wir evakuieren Washington, sollte sich die Meldung bestätigen. Zweitens will ich, dass in den betroffenen Gebieten Trinkwasser in Tankwagen herbeigeschafft und streng rationiert wird. Wir legen die Kanalisationen trocken und ätzen die Biester mit Chemikalien raus.«

Vanderbilt lachte laut auf. Seine Männer grinsten.

»New York trockenlegen? Die Kanalisation?«

Sie sah ihn an.

»Ja.«

»Gute Idee. Die Chemikalien töten dann auch gleich alle New Yorker, und wir können die Stadt vermieten. Vielleicht an die Chinesen? Ich habe gehört, es gibt unheimlich viele Chinesen.«

»Wie das zu machen ist, werden Sie rausfinden, Jack! Ich werde den Präsidenten um eine Plenarsitzung des Sicherheitsrats ersuchen und die Verhängung des Ausnahmezustands anordnen.«

»Ah! Verstehe.«

»Sämtliche Küsten werden gesperrt. Aufklärungsdrohnen fliegen Patrouille. Wir entsenden Truppen in Schutzanzügen mit Flammenwerfern. Was immer ab jetzt versucht, an Land zu krabbeln, wird zu Barbecue verarbeitet.« Sie stand auf. »Und wenn wir ohnehin schon Ärger mit Walen haben, sollten wir aufhören, wie verschreckte Kinder zu reagieren. Ich will, dass wir die volle Beweglichkeit unserer Schiffe zurückerlangen. Aller Schiffe. Wollen doch mal sehen, was ein bisschen psychologische Kriegsführung ausrichtet.«

»Was haben Sie vor, Jude? Wollen Sie den Tieren gut zureden?«

»Nein.« Li lächelte dünn. »Ich will sie jagen, Jack. Ihnen eine Lektion erteilen oder demjenigen, der für ihr Verhalten verantwortlich ist. Schluss mit Naturschutz. Ab jetzt werden sie abgeschossen.«

»Sie wollen sich mit der IWC anlegen?«

»Nein. Wir beschießen sie mit Sonar. So lange, bis sie aufhören, uns anzugreifen.«

New York, USA

Direkt vor ihm brach ein Mann zusammen und starb.

Peak schwitzte unter seinem schweren Schutzanzug. Jeder Teil seines Körpers war damit bedeckt. Er atmete durch eine Sauerstoffmaske und sah durch Panzerglasaugen auf eine Stadt, die sich über Nacht in eine Hölle verwandelt hatte.

Langsam steuerte der Sergeant neben ihm den Jeep über die First Avenue. East Village wirkte streckenweise wie ausgestorben. Dann wieder begegneten sie Gruppen von Menschen, die vom Militär zusammengetrieben wurden. Das Hauptproblem war, dass sie niemanden rauslassen konnten, solange sie nicht definitiv wussten, ob die Seuche ansteckend war. Im Augenblick sah es nicht so aus. Eher bot sich das Bild eines groß angelegten Giftgasangriffs. Aber Peak war skeptisch. Ihm fiel auf, dass viele der Opfer münzgroße Fleischwunden aufwiesen. Wenn es Killeralgen waren, die New York heimsuchten, sonderten sie nicht nur Giftwolken ab, sondern hefteten sich zudem an die Körper der Betroffenen. Theoretisch waren sie damit in allen Körperflüssigkeiten anzutreffen. Peak war kein Biologe, aber er fragte sich, was passierte, wenn ein Erkrankter einen Gesunden küsste und seinen Speichel weitergab. Die Algen konnten in Wasser überleben, tolerierten ein breites Temperaturspektrum und vermehrten sich, nach allem, was er wusste, mit rasender Geschwindigkeit.

Fieberhaft arbeiteten sie daran, für die Stadt und Long Island Quarantänebedingungen zu schaffen, die Kranken wie Gesunden gleichermaßen gerecht wurden. Anfangs waren sie optimistisch gewesen. New York schien vorbereitet. Nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 hatte der damalige Bürgermeister eine Sonderbehörde für alle Arten von Notfällen ins Leben gerufen, das Office of Emergency Management, kurz OEM. Ende der Neunziger hatte es die größte Katastrophenübung in der Geschichte der Stadt abgehalten und einen imaginären Angriff mit chemischen Waffen simuliert, in dessen Folge über 600 Polizisten, Feuerwehrleute und FBI-Agenten in Schutzanzügen die New Yorker »gerettet« hatten. Die Übung war reibungslos verlaufen, und der Senat hatte großzügig neue Mittel bewilligt. Plötzlich sah sich das OEM in der Lage, 15 Millionen für ein kugel— und bombensicheres Bunkerbüro mit eigenem Luftzirkulationssystem ausgeben zu können, in dem über vierzig hoch qualifizierte Mitarbeiter auf den echten Doomsday warteten — und sie bauten es im 23. Stockwerk des World Trade Center, nicht lange vor dem 11. September 2001. Danach hatte die OEM vollkommen neu strukturiert werden müssen. Immer noch befand sie sich im Aufbau, kaum fähig, der Probleme Herr zu werden. Die Menschen erkrankten und starben schneller, als überhaupt jemand helfen konnte.

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