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»Das schafft kein Automat«, beschied Bohrmann. »Er kann keinen Impuls entwickeln.«

»Na wunderbar«, zischte Frost.

»Und wenn die Piloten den Rüssel einfach einholen?«, schlug Bohrmann vor. »Unter der Spannung muss er sich ja irgendwann lösen.«

Van Maarten schüttelte den Kopf.

»Zu riskant. Der Schlauch könnte reißen.«

Sie versuchten ihr Glück, indem sie den Roboter aus verschiedenen Winkeln mit dem Brocken kollidieren ließen. Um Mitternacht war klar, dass die Maschine es nicht schaffen würde. Unterdessen bedeckte sich die gesäuberte Fläche wieder mit Würmern, die von allen Seiten aus der Finsternis heranwimmelten.

»Das gefällt mir überhaupt nicht«, knurrte Bohrmann. »Gerade hier, wo es instabil ist. Wir müssen zusehen, dass wir den Rüssel freibekommen, sonst sehe ich schwarz.«

Frost legte die Stirn in Falten. Nach einer Weile sagte er: »Gut. Dann sehen wir eben schwarz. Und zwar höchstpersönlich.«

Bohrmann sah ihn fragend an.

»Na ja.« Frost hob die Schultern. »Tief unten im Meer ist es schwarz, oder? Will sagen, wenn es Rambo nicht kann, bleibt nur einer, um runterzugehen. Die verrutschte Krone der Schöpfung. Das sind vierhundert Meter. Dafür haben wir Spezialanzüge an Bord.«

»Du willst selber da runter?«, fragte Bohrmann entgeistert.

»Natürlich.« Frost reckte die Arme, dass es knackte. »Wo ist das Problem?«

15. August

Independence, Grönländische See

Crowe hatte die Antwort der Yrr zum Anlass genommen, eine zweite, weit komplexere Nachricht in die Tiefe zu entsenden. Sie enthielt Informationen über die menschliche Rasse, über deren Evolution und Kultur. Vanderbilt war nicht besonders glücklich damit, aber Crowe brachte ihn schließlich zu der Einsicht, dass sie ohnehin nichts mehr verkehrt machen konnten. Die Yrr standen kurz davor, den Kampf zu gewinnen.

»Wir haben nach wie vor nur eine Chance«, sagte sie. »Wir müssen ihnen klar machen, dass wir es wert sind, weiter zu existieren. Das geht nur, indem wir ihnen möglichst viel von uns erzählen. Vielleicht ist ja was dabei, das sie bis jetzt nicht in Erwägung gezogen haben. Das sie zum Nachdenken bringt.«

»Eine Schnittmenge der Werte«, sagte Li.

»Und sei sie noch so klein.«

Oliviera, Johanson und Rubin hatten sich im Labor vergraben. Sie wollten das Gallertwesen im Tank dazu bringen, sich zu teilen oder vollständig zu diffundieren. Unablässig konferierten sie mit Weaver und Anawak. Weaver hatte ihre virtuellen Yrr mit einer künstlichen DNA versehen und einen pheromonischen Botenstoff eingebaut. Es funktionierte. Theoretisch hatten sie damit bewiesen, dass die Einzeller zur Verschmelzung einen Duft benutzten, aber die Gallerte zeigte sich jeglicher Kooperation abgeneigt, was die praktische Beweisführung anbetraf. Das Wesen — genauer gesagt, die Summe der Wesen — hatte sich in einen breiten Fladen verwandelt und war auf den Boden des Tanks gesunken.

Delaware und Greywolf werteten unterdessen die Filmaufnahmen der Delphinstaffeln aus, ohne etwas anderes zu erblicken als den Rumpf der Independence, vereinzelte Fische und weitere Delphine, die sich gegenseitig filmten. Sie verbrachten ihre Zeit abwechselnd vor den Monitoren des CIC oder im Welldeck, wo Roscovitz und Browning immer noch mit der Reparatur des Deepflight beschäftigt waren.

Li wusste, dass selbst die besten Leute irgendwann Gefahr liefen, sich festzufressen oder zu verzetteln, wenn man sie nicht von Zeit zu Zeit aus ihrer Arbeit riss und auf andere Gedanken brachte. Sie ließ sich die Wetterdaten übermitteln und holte Prognosen über deren Zuverlässigkeit ein. Alles sah danach aus, dass es bis zum folgenden Morgen ruhig und windstill sein würde. Jetzt schon waren die Wellenberge im Vergleich zum Tagesbeginn abgeschwollen.

Also hatte sie Anawak um einige Minuten seiner Zeit gebeten und festgestellt, dass er überraschend wenig über die Küche des hohen Nordens wusste. Sie delegierte die Verantwortung an Peak weiter, der sich nun erstmals in seiner militärischen Laufbahn ums Essen zu kümmern hatte.

Im Folgenden führte Peak eine Reihe von Telefonaten. Zwei Hubschrauber starteten zur grönländischen Küste. Am späten Nachmittag gab Li bekannt, dass der Küchenchef um 21.00 Uhr zu einer Party lud. Die Hubschrauber kehrten zurück und brachten alles Mögliche mit, um ein grönländisches Diner auf die Beine zu stellen. Auf dem Flugdeck vor der Insel wurden Tische, Stühle und ein Büffet platziert, man schleppte eine Musikanlage nach draußen und ordnete rings um den Platz Heizstrahler an, um die Kälte fern zu halten.

In der Küche begann ein Riesenwirbel. Li war dafür bekannt, absonderliche Ideen aus dem Hut zu zaubern und darauf zu beharren, dass sie innerhalb kürzester Zeit umgesetzt wurden. Karibufleisch wanderte in Töpfe und Pfannen. Maktaaq, knusprige Narwalhaut, wurde aufgeschnitten, aus Robbenstew eine Suppe zubereitet und Eiderenteneier wurden gekocht. Der Bäcker der Independence versuchte sich an Bannock, einem ungesäuerten, flachen und recht schmackhaften Fladenbrot, dessen fachgerechte Zubereitung die Inuit zu jährlichen Backwettbewerben trieb. Lachs und Wandersaibling wurden filettiert und zusammen mit Kräutern gebraten, gefrorenes Walrossfleisch in eine Art Carpaccio verwandelt, Berge von Reis gegart. Peak, in kulinarischen Dingen restlos überfordert, hatte einfach alles kommen lassen, was nicht schon vorrätig war, und sich dabei blind auf die grönländischen Berater verlassen. Nur eine Spezialität war ihm suspekt erschienen: Roher Walrossdarm, wenngleich heiß angepriesen, gehörte nun wirklich zu den Dingen, auf die man seiner Ansicht nach verzichten konnte.

Für Brücke und Maschinenraum hatte er eine Notbesetzung eingeteilt, ebenso für das CIC. Ansonsten erschien pünktlich um 21.00 Uhr die vollzählige Bewohnerschaft der Independence an Deck: Crew, Wissenschaftler und Soldaten. So leer sich die Räume des Riesenschiffs tagsüber ausnahmen, so voll wurde es nun auf dem Dach. Rund 160 Menschen nahmen ihren alkoholfreien Begrüßungscocktail in Empfang und verteilten sich an Steh— und Sitztischen, bis das Büffet eröffnet wurde, und irgendwann begann jeder mit jedem zu reden.

Es war eine seltsame Party, die Li da ins Leben gerufen hatte — das stählerne Hochhaus der Insel im Rücken und ringsum der Blick auf die einsame Weite des Meeres. Der Dunst war zurückgewichen und hatte am Horizont surreale Wolkenberge geformt, zwischen denen sich immer wieder der tief stehende Sonnenball hervorschob. Die Luft prickelte kalt und klar, und über allem wölbte sich ein tiefblauer Himmel.

Eine Weile schien jeder bemüht, die Themen auszuklammern, derentwegen sie hier waren. Es tat gut, sich über andere Dinge zu unterhalten. Zugleich hatte es etwas Verkrampftes, beinahe Verzweifeltes, wie alle versuchten, die Konversation an der Oberfläche zu halten, als seien sie per Zufall auf einer Vernissage zusammengetroffen. Kurz vor Mitternacht, im beginnenden Dämmerlicht, brach dann der spröde Schutz, der sie vom Zweck ihres Hierseins abschirmte. Inzwischen duzten sich die meisten. Die Windlichter auf den Tischen entfalteten ihre gravitative Kraft. Man scharte sich zu Grüppchen, versammelte sich um die Schamanen der Aufklärung, um sich Trost zu holen, den diese nicht bieten konnten.

»Jetzt mal im Ernst«, sagte Buchanan kurz nach 1.00 Uhr zu Crowe. »Sie glauben doch nicht wirklich an intelligente Einzeller?«

»Und warum nicht?«, fragte Crowe.

»Na ja, ich bitte Sie. Wir reden von intelligentem Leben, richtig?«

»Sieht so aus.«

»Also …« Buchanan rang nach Worten. »Ich erwarte ja nicht, dass die uns ähnlich sehen, aber schon was Komplexeres als Einzeller. Man sagt, Schimpansen seien intelligent, Wale und Delphine, und sie haben alle einen komplexen Körperbau und ein großes Gehirn. Ameisen, haben wir gelernt, sind zu klein, um echte Intelligenz hervorzubringen. Wie soll das bei Einzellern funktionieren?«

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