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Angst!

Sag was, dachte sie. Irgendwas muss es geben. Irgendein Thema, über das man reden kann.

»Sigur scheint’s wieder besser zu gehen.«

Die Worte kamen herausgesprungen wie Kröten. In Anawaks Augen trat ein Anflug von Enttäuschung. Er trieb ein Stück von ihr weg, strich das nasse Haar zurück und lächelte.

»Ja, sein komischer Unfall.«

Du voll verblödete, verdammte Idiotin!

»Aber er hat ein Problem.« Sie legte die Ellbogen auf den Beckenrand und zog sich hoch. »Behalt’s für dich. Er sollte nicht unbedingt wissen, dass ich damit hausieren gehe. Ich will nur deine Meinung hören.«

Sigur hat ein Problem? Du hast ein Problem! Idiotin! Idiotin!!!

»Was für ein Problem?«, fragte Anawak.

»Er hat was gesehen. Besser gesagt, er meint, es gesehen zu haben. So, wie er die Sache schildert, glaube ich ihm, aber dann wäre die Frage, was es zu bedeuten hat und … pass auf, ich erzähl’s dir.«

Kontrollraum

Li hörte zu, wie Weaver Anawak über Johansons Zweifel ins Bild setzte. Reglos saß sie vor den Monitoren und lauschte dem Gespräch, das beide miteinander führten.

Was für ein schönes Paar, dachte sie amüsiert.

Der Inhalt des Gesprächs amüsierte sie weniger. Dieser dämliche Hund von Rubin hatte die ganze Mission gefährdet. Sie konnten nur hoffen, dass Johanson nicht noch mehr von dem einfiel, was die Droge aus seinen Hirnwindungen hätte tilgen sollen. Jetzt beschäftigte das Thema schon Weaver und Anawak!

Warum gebt ihr euch bloß mit solchen Geschichten ab, Kinderchen, dachte sie. Böse Ammenmärchen von Onkel Johanson! Warum geht ihr nicht endlich miteinander ins Bett? Jeder Blinde sieht, dass ihr es wollt, nur ihr selber kriegt nichts auf die Reihe. Li seufzte. Wie oft war sie schon diesen unbeholfenen Annäherungen begegnet, seit Frauen und Männer zusammen in der Navy dienten. Es war jedes Mal so offensichtlich! Öde und profan. Alle wollten irgendwann miteinander ins Bett. Fiel den beiden da im Pool nichts Besseres ein, als sich Johansons Kopf zu zerbrechen?

»Wir sollten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass Rubin auffliegt«, sagte sie zu Vanderbilt.

Der CIA-Mann stand, einen Becher Kaffee in der Hand, schräg hinter ihr. Sie waren die Einzigen im Raum. Peak war im Welldeck, um die Aufräumungsarbeiten voranzutreiben und den Zustand des Tauchequipments zu überprüfen.

»Und was dann?«

»Für den Fall gib es klare Optionen.«

»So weit sind wir aber noch nicht, Judybaby, dass wir die wahrnehmen könnten. Rubin ist noch nicht so weit. Außerdem wäre es natürlich schöner, wenn wir es gar nicht müssten.«

»Was ist los, Jack? Skrupel?«

»Nur die Ruhe. Es mag Ihr verdammter Plan sein, aber mir obliegt die Garantie seines Gelingens. Sie können einen drauf lassen, dass sich meine Skrupel im kompatiblen Bereich bewegen.« Er kicherte. »Man hat schließlich einen Ruf zu verlieren.«

Li wandte sich zu ihm um. »Haben Sie denn einen?«

Vanderbilt schlürfte vernehmlich an seinem Becher. »Wissen Sie, was ich so sehr an Ihnen schätze, Jude? Ihre Ekelhaftigkeit. Sie geben mir das Gefühl, ein netter Kerl zu sein. Und das will was heißen!«

Combat Information Center

Crowe und Shankar zerbrachen sich die Köpfe.

Der Rechner zeigte verschlungene Bilder. Parallele Linien, die plötzlich auseinander strebten, sich zu Kurven bogen, eins wurden. Dazwischen gähnten größere, unregelmäßig geformte Leerräume. Scratch bestand aus einer ganzen Serie solcher Graphiken, die aussahen, als ergäben sie zusammengelegt ein einziges Bild, nur dass es nicht hinkam.

Sie passten nicht aneinander. Außerdem hatte Crowe immer noch nicht die leiseste Ahnung, was die Linien zu bedeuten hatten.

»Wasser ist die Basis«, grübelte Shankar. »An jedes Wassermolekül ist eine Zusatzinformation gekoppelt. Wofür steht sie? Für eine Eigenschaft des Wassers?«

»Möglich. Welche Eigenschaften könnten gemeint sein?«

»Temperatur.«

»Ja, zum Beispiel. Oder Salzgehalt.«

»Vielleicht geht es aber nicht um physikalische oder chemische Eigenschaften, sondern um die Yrr selber. Die Linien könnten ihre Populationsdichte darstellen.«

»Nach dem Motto, hier wohnen wir? So was?«

Shankar rieb sich das Kinn. »Irgendwie nicht, oder?«

»Ich weiß nicht, Murray. Würden wir denen denn mitteilen, wo unsere Städte sind?«

»Nein. Aber sie denken nicht wie wir.«

»Danke, dass du mich dran erinnerst.« Crowe produzierte einen Rauchring. »Gut, nochmal. H2O. Wasser. Dieser Teil der Botschaft ist nicht schwer zu begreifen.

Wasser ist unsere Welt.«

»Was eins zu eins die Antwort auf unsere Botschaft ist.«

»Stimmt. Wir haben ihnen verraten, dass wir an der frischen Luft leben. Dann haben wir unsere DNA beschrieben und unsere Form.«

»Nehmen wir an, sie beantworten unsere Botschaft wirklich eins zu eins«, sagte Shankar. »Könnten die Linien eine Darstellung ihrer Form sein?«

Crowe schürzte die Lippen. »Sie haben keine. Ich meine, Einzeller haben natürlich eine Form, aber sie werden sich kaum darüber definieren. Als Form empfinden sie sich wohl eher im Kollektiv, und darüber können sie sich erst recht nicht definieren. Die Gallerte hat tausend Formen und keine.«

»Gut. Form fällt flach. Welche Information könnte sonst von Interesse sein? Anzahl der Individuen?«

»Murray! Das ist irgendeine Zahl mit so vielen Nullen hinten dran, dass wir den Rumpf der Independence damit voll schreiben könnten. Außerdem teilen sie sich am laufenden Band, sie sterben am laufenden Band … Wahrscheinlich dürften sie selber nicht in der Lage sein, uns ihre genaue Zahl mitzuteilen.« Crowe ließ die Zigarette zwischen ihren Zähnen wippen. »Nicht das Einzelwesen zählt. Es ist komplett unwichtig. Die Gesamtheit zählt. Die Yrr-Idee, wenn du so willst, das idealisierte Yrr. Das Yrr-Genom.«

Shankar sah sie über die Ränder seiner Brille an.

»Vergiss nicht, wir haben ihnen lediglich die Information geliefert, dass unsere Biochemie auf DNA basiert. Insofern müsste die Antwort lauten: unsere auch. Glaubst du im Ernst, sie sind darangegangen, ihr Genom für uns aufzuschlüsseln?«

»Könnte doch sein.«

»Warum sollten sie das tun?«

»Weil es genau genommen die einzige Aussage ist, die sie über sich treffen können. Genom und Verschmelzung sind die zentralen Punkte ihrer ganzen Existenz, alles lässt sich darauf zurückführen.«

»Ja, aber wie willst du eine DNA beschreiben, die fortwährend mutiert?«

Crowe blickte ratlos auf die Linienmuster.

»Vielleicht sind’s doch Landkarten?«

»Landkarten wovon?«

»Na schön.« Sie seufzte. »Fangen wir nochmal an. — H2O ist die Basis. Wir leben im Wasser …«

Vier Augen

Li hatte ihr Laufband auf höchste Geschwindigkeit gestellt. Unter anderen Umständen wäre sie im Fitnessraum gelaufen, des Zusammenhalts der Truppe wegen. Aber diesmal wollte sie ungestört sein. Sie führte ihr tägliches Gespräch mit der Offut Air Force Base.

»Wie ist die Moral, Jude?«

»Ausgezeichnet, Sir. Der Angriff hat uns schwer mitgenommen, aber wir haben alles im Griff.«

»Sind die Leute motiviert?«

»Motivierter denn je.«

»Ich mache mir Sorgen.« Der Präsident wirkte müde. Er saß mutterseelenallein im War Room des Stützpunkts. »Boston ist vollständig evakuiert. New York und Washington haben wir abgeschrieben. Und wir bekommen neue Horrormeldungen aus Philadelphia und Norfolk.«

»Ich weiß.«

»Das Land geht vor die Hunde, während alle Welt nur noch von einer nichtmenschlichen Intelligenz im Meer redet. Mich würde wirklich interessieren, wer da sein loses Maul nicht halten konnte.«

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